Martinsfeuer und Laternenumzüge gehören zu den ältesten Ausprägungen der öffentlichen Martinsverehrung. In den katholischen Kirchen heißt es in dem Evangelium zur Messfeier des Tages „Niemand zündet ein Licht an und stellt es unter den Eimer, sondern auf den Leuchter, damit es allen im Hause leuchtet“ (Lk 11,33-37). Wahrscheinlich hat sich daran der Volksbrauch des Martinsfeuers entzündet. Der Laternenbrauch hat möglicherweise noch ältere Wurzeln. Martins Leben und seine Predigt sind von den Zeitgenossen als Licht empfunden worden. Gregor von Tours (538-594) schreibt dazu: „Damals ging auch schon unsere Sonne auf.“ Um dieselbe Zeit vergleicht der Dichter Venantius Fortunatus in einem Gedicht Martin mit einem Leuchtturm, der bis Indien strahle (1,48f). Dieses Bild war so bekannt, dass anlässlich der Kaiserkrönung auf Karl den Großen übertrug. Ein Schreibernannte ihn in der Nachfolge Martins „Europas ragender Leuchtturm, der „hell erblinkt“ (Paderborner Epos 1,13). Schon vorher las man in der Palastkapelle Karls zum Martinsfest einen anderen Abschnitt aus dem Lukasevangelium, der – gewiss im übertragenen Sinn gemeint - ausdrücklich zum Tragen von Laternen auffordert: „Eure Hüften seien umgürtet und brennende Lampen in euren Händen. So sollt ihr Menschen gleichen, die auf ihren Herrn warten.“ (LK 12,35f). Wahrscheinlich sind wir mit diesem alten Text, der selbst von Laternen redet, dem Ursprung des Brauches sehr viel näher. Mögen die Kinder gern Freude an dem Licht im herbstlichen Dunkel haben und ihre Laternen besingen, vielleicht aber sprechen doch auch zuweilen Eltern oder Lehrpersonen mit ihnen über die Symbolik und Sankt Martins Beispiel.